Leitzinssenkung verpufft


Schon bei Alan Greenspan war es so gewesen. Wenn er den Saal betrat, herrschte Ruhe, und man konnte eine Stecknadel fallen hören. Sein Job war es nun der breiten Öffentlichkeit mitzuteilen, ob die Leitzinsen nun fallen oder steigen oder gleichbleiben. Diese eine Entscheidung betraf alle: Börsianer, Banker, Unternehmer, einfach alle. Das Äquivalent für Alan Greenspan war bis 2003 Wim Duisenberg, und aktuell Jean-Claude Trichet. Auch er traf diese wichtige Entscheidung, dass die Leitzinsen fallen sollen. Zu Anfang schrieb ich, dass die Leitzinsen uns alle betreffen. Wieso? Die Leitzinsen ist, einmal einfach ausgedrückt, der Zinsatz zu dem sich die großen Banken (auch unsere) Geld bei der Bundesbank leihen kann. Folglich bestimmt ihr Zinssatz auch unseren Soll und Haben Zinssatz beim Konto. Das Problem bei Jean-Claudes Signal zum Senken der Leitzinsen war, das es zu spät kam. Schon längst haben Aktien wie General Motors und andere den Index mitgerissen.

Die folgende Lektüre, bereitgestellt von Telepolis, erklärt es etwas genauer:


Nach dem Absturz der Börsenkurse am vergangenen Montag ging es in der Wochenmitte zwar kurzzeitig stark bergauf, um dann am Donnerstag noch tiefer einzubrechen. So schloss der deutsche Leitindex DAX in Frankfurt am Freitag sogar noch unter dem Tiefstand vom Montag und hat bei 3666 Punkten ein neues Rekordtief erreicht. Am Donnerstag stürzte der DAX um 5 % in die Tiefe und verlor fast 200 Punkte. Damit wurden die Kursgewinne vom Mittwoch mehr als zunichte gemacht. Vor allem das drohende Aus für General Motors (GM) hatte Kurse in die Tiefe geprügelt. Im Jahresbericht hatte GM eingeräumt, dass die Pleite drohe.

Insgesamt eröffneten die Börsen am Freitag zunächst etwas fester. Doch die bessere Stimmung war schnell wieder verflogen. Dafür sorgten vor allem die Arbeitslosenzahlen aus den USA. Die Arbeitslosenquote kletterte offiziell auf 8,1 %. Die Quote stieg im Februar auf den höchsten Stand seit 25 Jahren und es gingen 651.000 Jobs verloren. Zudem müssten die Zahlen für Januar und Dezember nach unten revidiert werden. Das Arbeitsministerium hatte zunächst behauptet, der Stellenabbau hätte 598.000 und 577.000 betragen, nun wurden diese Zahlen deutlich auf 655.000 und 681.000 erhöht. Im Dezember wurde damit der höchste Anstieg der Arbeitslosigkeit seit 1949 ermittelt. Eine weitere Bestätigung dafür, dass das Worst-Case-Szenario von Obamas Bankenstresstest bestenfalls als Best-Case-Szenario angesehen werden kann.

Am Freitag schlossen praktisch alle Börsen erneut im Minus. In Asien stach der Nikkei-Index hervor, der erneut um 3,5 % fiel. In Europa hatten Paris und Madrid wieder deutliche Verluste von fast 1,5 % zu verzeichnen. Der Madrider Ibex durchbrach die psychologisch wichtige Marke von 7000 Punkten. Somit war klar, dass die Leitzinssenkungen der Zentralbanken am Vortag wirkungslos verpufft sind.

In den USA fiel der technologieorientiert Nasdaq um fast 1 %, nur der Dow-Jones wurde zum Börsenschluss leicht ins Plus katapultiert. Die Schlussrally hatte ein Bericht hervorgerufen, wonach die britische Regierung Vermögenswerte der Großbank Lloyds im Umfang von umgerechnet etwa 280 Milliarden Pfund absichern will. Schon jetzt beträgt die Staatsbeteiligung 43 %. Eigentlich zeigt das nur die Freude der Börsianer darüber, dass erneut die Steuerzahler für die Verluste der Banken herangezogen werden. Tatsächlich zeigt sich damit aber nur, dass sich die Bankenkrise in Großbritannien weiter zuspitzt, weshalb neue Kursstürze zu erwarten sind. Tatsächlich erhöhte die britische Regierung ihre Beteiligung am Samstag auf 65% und hat nun damit die Anteilsmehrheit. Dafür wird mit Steuergeldern eine Garantie für „Giftpapiere“ im Wert von 260 Milliarden Pfund übernommen, während die Bank die Vergabe von Krediten im Umfang von 28 Milliarden Pfund innerhalb von zwei jahren zusicherte. An der Royal Bank of Scotland hat die britische Regierung bereits eine Anteilsmehrheit von 70 Prozent.

Die Aktie der einst weltweit größten Bank zeigt derweil, wohin die Reise geht. Die Aktien der Citigroup waren am Donnerstag zwischenzeitlich nur noch 97 Cent wert, womit die Aktie zum Pennystock verfällt. Der Marktwert der Bank hat sich auf unter sechs Milliarden Dollar reduziert. Ende 2006 wurde sie noch mit fast 280 Milliarden Dollar bewertet. Die US-Regierung hat inzwischen 45 Milliarden Dollar in die Bank gepumpt. Erstaunlich ist, dass der Staat dennoch nur zu 36 % beteiligt ist. Ohne die Staatshilfe würde die Bank längst nicht mehr existieren.

Auch die Zeichen vom US-Immobilienmarkt sind weiter schlecht, wie neue Daten vom Häusermarkt zeigen. Die Zahl der Hausbesitzer, die ihre Hypothekenzahlungen nicht mehr bedienen können, ist im Dezember auf ein neues Rekordniveau gestiegen und damit werden neue Löcher in die Bilanzen der Banken gerissen Der Verband der Hypothekenbanken (MBA) teilte mit, 3,3 % aller Hausbesitzer befände sich schon im Prozess der Zwangsvollstreckung, das sind 128 % mehr als noch ein Jahr zuvor. Doch sollte es US-Präsident Obama nicht gelingen, den Immobilienmarkt zu stabilisieren, werden alle Bemühungen zur Bankenrettung und zur Ankurbelung der Konjunktur wirkungslos bleiben.

Referenz: http://www.heise.de/tp/blogs/8/134170

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